Unaufhaltsam
Das eigene Wort, wer holt es zurück,
das lebendige – eben noch ungesprochene Wort?
Wo das Wort vorbei fliegt, verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb, fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder
nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an zu kommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
Hilde Domin
Dieses Gedicht ist eines meiner absoluten Lieblingsgedichte. Ich habe es mir schon
sehr oft durchgelesen und lasse es mir durch den Kopf gehen nur um mir immer wieder klar zu machen,
das man aufpassen sollte was man sagt. Manchmal tun nämlich die falschen Worte mehr weh, alles tausend Nadelstiche...
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